Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Partizipation ist auch eine Geschlechterfrage

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Frauen sind in den Entscheidungs- und Machtstrukturen unserer Gesellschaft noch immer kaum vertreten. Ihre Bedürfnisse und Interessen werden zumeist nicht genug wahrgenommen, wodurch Benachteiligungen von Frauen zementiert werden. Schulen haben hier einen ganz konkreten Bildungsauftrag, haben die Aufgabe, Mädchen und Buben gleichberechtigte Mitbestimmung oder Beteiligung zu ermöglichen, egal, ob im Unterricht, in Projekten oder im Rahmen von Fragen, welche die gesamte Schule betreffen. Das Konzept ,Gender Mainstreaming' soll auch dort die gleichberechtigte Partizipation von Schülerinnen und Schülern verankern helfen. Ein Gespräch mit Claudia Schneider und Elke Szalai.

„Ein wichtiges Ziel von Schule sollte sein, allen Kindern die gleichen Lernchancen und gleichen Lernerfahrungen zu bieten. Gerade am Beispiel der Projektarbeit lässt sich immer wieder feststellen, dass nicht alle beteiligten Lernenden diese Chancen gleich gut nützen können. Stellen wir uns ein Umweltschutzprojekt in der Schule vor. Die Kinder recherchieren, es werden Projektgruppen gebildet, Projektaufträge verteilt, es wird recherchiert und Material zusammen gesammelt und es wird eine Präsentation vorbereitet. Wir erleben immer wieder, nicht nur in Kinder- und Jugendlichengruppen, sondern auch in Erwachsenengruppen, dass die einzelnen Rollen bzw. Arbeitsaufträge meist klassisch geschlechtsspezifisch eingenommen und besetzt werden. Es sind oft Mädchen und Frauen, welche die akribische Recherchearbeit machen, und ich sage das jetzt bewusst pauschalierend, um eventuell auch Widerspruch hervorzurufen – es sind oft Burschen und Männer, die dann sozusagen die Lorbeeren ernten und die Präsentation machen. Wenn mir das mit einer geschlechtssensiblen geschulten Haltung als Lehrerin oder Lehrer auffällt, dann muss ich mir überlegen, welche Strategien ich dagegen anwenden kann. Ich kann zunächst im Unterricht eine kleine Untersuchung machen und eine Bestandsaufnahme machen. Welche Kinder machen was , welche Kinder kommen wo zum Zug, und welche Kinder kommen bei bestimmten Aufgaben nie zum Zug und können daher diese Lernerfahrungen auch nicht machen. Anschließend kann ich mir überlegen, wie ich steuernd eingreife. Eine Möglichkeit in diesem Fall wäre, Arbeitsaufträge an Kinder zu vergeben, die es zuvor nicht gewohnt waren, eine derartige Aufgabe zu übernehmen. Protokolle anzufertigen wird dann zum Beispiel Kindern übertragen, die das sonst von alleine nicht übernehmen würden, oft sind das Buben. Zurückhaltendere, stille Kinder, häufiger Mädchen, können darin unterstützt werden, wie sie die Präsentation gestalten können.'

Das gesamte Interview können Sie hier downloaden:  Partizipation ist auch eine Geschlechterfrage

Lesen Sie hier mehr über die Formen der Beteiligung:  Mädchen- und Jungenkonferenz
Zuletzt aktualisiert: 2017-03-14

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