Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Gender Equality - gleiche Chancen, Rechte und Pflichten

Heide Studer

Schulfreiräume können für alle SchülerInnen – Mädchen und Burschen, SchülerInnen unterschiedlichen Alters, körperlicher Fähigkeiten sowie sozialer und ethnischer Herkunft – Orte sein, an denen sie Spaß und Freude am Erholen, Spielen, Treffen und Lernen haben. In vielen Schulen gibt es Machtungleichgewichte zwischen unterschiedlichen Gruppen, die bedingen, dass nicht für alle Kinder und Jugendlichen die Angebote der Schulfreiräume gleich zugänglich sind. So gibt es beispielsweise Schulen, in denen Mädchen in den Pausen nicht Ball spielen, da dominante Burschengruppen die Ballspielfläche regelmäßig nutzen. An anderen Schulen spielen nur Klassen auf Spielgeräten, die in der Lage sind, andere vom Gerät zu vertreiben. Manchmal haben sich auch Spiele etabliert, die andere Gruppen unterdrücken, indem andere geärgert, ausgegriffen oder ausgeschlossen werden.
 

Gender Mainstreaming

Die Strategie des Gender Mainstreaming setzt sich für die Chancengleichheit der Geschlechter ein. Dabei ist es wichtig, auch die Unterschiede unter Mädchen/Frauen und unter Burschen/Männern zu berücksichtigen. Gender Mainstreaming wurde als eine europaweite Strategie vom Europarat und der EU-Komission beschlossen (Europarat, 1997; Amsterdamer Verträge, 1999). Das Land Niederösterreich beschloss im Herbst 2002 Gender Mainstreaming als Querschnittsmaterie in allen Bereichen der Landespolitik umzusetzen (Ltg.-996/A-1/65-2002). Das beinhaltet, dass bei allen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen, Ansprüche und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen sind. Dies gilt auch für die Nutzung und die Gestaltung von Schulfreiräumen.
 

Geschlechterverhältnisse und Raum

Aktuelle Untersuchungen zum öffentlichen Raum weisen auf deutliche Unterschiede in der Raumnutzung von Mädchen und Burschen hin (z.B. Nissen, 1998; Schön,1999; Studer, 2001). Dabei ist es wichtig, zu sehen, dass jede Gesellschaft ihre Räume sowie Nutzungsgewohnheiten selbst herstellt. Diese spiegeln gesellschaftliche Machtverhältnisse und den daraus resultierenden Umgang mit Geld, Raum und Zeit wider. Daher sind Räume und Geschlechterverhältnisse einerseits eng miteinander verknüpft und andererseits wie auch Machtverhältnisse veränderbar (Rhune, 2003). Im Unterschied zum öffentlichen Raum sind Schulfreiräume Orte, die Kinder und Jugendliche unter Aufsicht von PädagogInnen nutzen, meist gibt es auch Schulordnungen, die Nutzungsregeln vorgeben. Zur Nutzung von Schulfreiräumen wurden im Rahmen der Recherche für dieses Buch keine aktuellen umfassenden Untersuchungen gefunden, die belegen, wie sich die Nutzungen von Mädchen und Burschen unterschiedlicher Altersgruppen und ethnischer Gruppen unterscheiden. Daher ist es wichtig, offen zu sein für die Wahrnehmung von Ungleichgewichten und Unterschieden.
 

Projekte zu Gender Equality

Im Projektunterricht kann das Thema gemeinsam mit SchülerInnen diskutiert werden:
 
Aktuelle Nutzung der Schulfreiräume
Was tun Mädchen und Burschen derzeit im Schulhof? Welche Orte nutzen sie und wann (Pause, Unterricht, Nachmittagsbetreuung, vor und nach der Schule)? Passt das so oder gibt es andere Wünsche, die derzeit noch keinen Platz haben? Oft ist es leichter die eigenen Erfahrungen in geschlechtshomogenen Gruppen oder in Gruppen mit gleicher ethnischer Herkunft zu erzählen. Die Ergebnisse können daran anschließend der gesamten Klasse vorgestellt werden.

Nutzungsregeln gendern
Dazu können die Hausordnung und gemeinsam gesammelte informelle Regeln genau unter die Lupe genommen werden: Wer beachtet die Regeln? Wen schränken sie ein? Gibt es Unterschiede nach Geschlechtern, Alter, sozialen Gruppen oder Ethnie? Daraus können Vorschläge zu einer Änderung der Hausordnung und der informellen Nutzungsregeln abgeleitet werden.

Veränderung
Änderungen im Schulfreiraum sind auf unterschiedlichen Ebenen denkbar:
  • den Raum durch Umbau oder neue Möbel und Spielgeräte verändern
  • mehr mobiles Material anschaffen wie Bälle, Seile, Malkreiden
  • das Miteinander der SchülerInnen verändern; manche Gewohnheiten oder Spiele weglassen und andere neu beginnen
  • LehrerInnen bringen sich in Pausen und Nachmittagsbetreuung aktiv ein, neue Regeln vorleben (z.B. respektvollerer Umgang miteinander oder Bewegungsspiele von Frauen und Mädchen).
  • Nutzungszeiten ändern, Pausen für Klassen staffeln oder Pausenlängen ändern
  • bei Konflikten oder sexuellen Übergriffen gemeinsame Konfliktlösung mit Kindern bzw. Jugendlichen suchen, für eine Lösung evtl. auch Hilfe von außen in Anspruch nehmen (Mediation, Supervision, Unterstützung von älteren SchülerInnen/Peers).

 

Quelle

Der Text wurde aus der Broschüre 'Schulfreiräume - Freiraum Schule' der Niederösterreichischen Landesregierung entnommen.
Amt der NÖ Landesregierung (Hrsg.)
Schulfreiräume – Freiraum Schule: Handbuch zur naturnahen Gartengestaltung
84 Seiten.
Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

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