Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

Gesamtkonzept statt Möblierung

Vesna Urlicic

Ein Schulhof muss unterschiedlichsten Bedürfnissen auf begrenztem Raum gerecht werden. Es gilt also nicht nur, die Ansprüche an den Raum bzw. Nutzungswünsche zu berücksichtigen, sondern auch die örtlichen Vorgaben (= Bestandsanalyse) und die Umsetzbarkeit zu prüfen. Leider ist man oft dazu verleitet, rasche Entscheidungen über die Platzierung dieser oder jener Aktivität zu treffen, um sie sobald als möglich umzusetzen. Kurzsichtige Entscheidungen können sich aber später als Hindernis für weitere Gestaltungen oder auch als Hemmschuh im täglichen Gebrauch herausstellen. Die Planung des Schulfreiraumes muss daher ein Gesamtkonzept sein.

Ein weiteres Prinzip der Planung von Schulfreiräumen ist die offene, „unfertige“ Gestaltung. Der Freiraum muss so geplant werden, dass er noch Veränderungsmöglichkeiten für die Zukunft bietet. Da beim Gesamtkonzept nur eine grobe Struktur und keine konkreten Details festgelegt werden, bleibt noch genügend „Spielraum“ für zukünftige Gestaltungen. Das bedeutet, dass man auch den Gestaltungswillen der Folgegenerationen zu einem späteren Zeitpunkt beachtet und nicht im Eifer alles auf ewig „zupflastert“. In diesem Zusammenhang betrachtet, ist außerdem multifunktionalen Flächen gegenüber exklusiv und einseitig genutzten Flächen der Vorzug zu geben. Erst die Gegenüberstellung von Bestandsanalyse und Ideen unter Berücksichtigung der offenen Planung ergeben einen „roten Faden“ für die Gestaltung.
 

Der Bestand – Örtliche Vorgaben

Örtliche Rahmenbedingungen sind individuell und für den Einzelfall zu prüfen. So gibt die Lage des Grundstückes samt Bauwerk die erste Vorgabe. Wie ist der Sonneneinfall, wohin fällt der Gebäudeschatten, welche Flächen sind benachbart, grenzt der Freiraum an stark befahrene, laute Straßen etc.? Innerhalb des Grundstückes geben manchmal eine Geländemodellierung, der Baumbestand, gestaltete/befestigte Flächen oder die Wegeführung bereits eine Struktur vor. Dabei ist wichtig, im Laufe der Zeit entstandene Ge(h)wohnheiten und Trampelpfade zu beachten. So kann der Abschneider, den die SchülerInnen nehmen, weil die vorgegebene Wegeführung zu umständlich oder nicht sinnvoll ist, in der neuen Freiraumgestaltung mitberücksichtigt werden. Ein weiterer Parameter kann der (Trink-)Wasseranschluss sein.

Auch wenn derzeit keine Wasserfläche oder Trinkbrunnen gewünscht sind, sollte man im Sinne der offenen Planung den Anschluss nicht „verbarikadieren“. Wichtig ist auch, Bezüge zu den Innenräumen festzuhalten. Damit sind nicht nur Ein- und Ausgänge gemeint, sondern zum Beispiel auch leise und laute Zonen. Denn die Schallproblematik und das gegenseitige Stören von Veranstaltungen (Freiluftklasse) sind ebenfalls ein Thema.
 

Nutzungswünsche, Aktivitäten und ihre räumlichen Erfordernisse

Der Bestand gibt aber nicht nur eine Struktur, sondern auch Raumqualitäten vor. So können sich zum Beispiel weite und enge, ruhige und belebte, sonnige und schattige Bereiche ergeben. Im besten Fall können diese Qualitäten genutzt oder sogar verstärkt werden – denn die gewünschten Aktivitäten verlangen nach unterschiedlichen räumlichen Qualitäten und nicht nach einer beliebig verteilten Möblierung. Grundüberlegung ist die Unterscheidung von ruhigen und aktiven Zonen.

Zu den ruhigen Bereichen zählt man Ruhezonen jeder Art wie Rückzugsnischen und Sitzberreiche, Räume zur Naturbeobachtung, Biotope, Möglichkeiten zum kreativen Spiel (z.B. Malen), im Volksschulberreich auch Sand- und Wasserspielgruben. Aktive Zonen dienen dem Austoben. Hierhin gehören „Kletterwälder“, „Schaukelgärten“, Ballspielberreiche, Laufstrecken, Hindernisparcours und Ähnliches Diese können beispielsweise durchaus zur belebten Straße, aber nicht unmittelbar zum Biotop hin orientiert werden. Eine Durchmischung von ruhigen und aktiven Zonen ist nicht sinnvoll, da sie sich nur gegenseitig stören. Daher sollten Pufferäume, entsprechende Abstände oder „Abtrennungen“ in Form von Bepflanzung, Geländemodellierung, lebenden Zäunen oder Wegeführung zwischen diesen unterschiedlichen „Spielqualitäten“ vorgesehen werden. Ebenso sollte man beachten, dass manche Aktivitäten in Beziehung zueinander stehen – der Sandspielberreich zur Wasserentnahmestelle, der Ballspielberreich oder Sportplatz zur (Beobachtungs-)Tribüne. Über die Wegeführung können die einzelnen Zonen verbunden werden, sodass eine Abfolge unterschiedlicher Räume und Stimmungen entsteht.
 

Quelle:

der Text wurde aus der Broschüre 'Schulfreiräume - Freiraum Schule' der Niederösterreichischen Landesregierung entnommen.
Amt der NÖ Landesregierung (Hrsg.)
Schulfreiräume – Freiraum Schule: Handbuch zur naturnahen Gartengestaltung
84 Seiten.
Amt der NÖ Landesregierung, St. Pölten
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-11

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