Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

„Nicht aus dem Rahmen fallen?!“
Rechtliche Rahmenbedingungen für die Umsetzung neuer Lehr- und Lernformen von Elfriede Schmidinger

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Die Unsicherheit bezüglich neuer Lehr- und Lernformen ist groß, dabei ist ihr Einsatz im Untericht nicht nur erlaubt, sondern wird in den Rechtsbestimmungen ausdrücklich erwünscht. Die rechtlichen Bestimmungen beinhalten wenige Vorschriften und bieten viele Freiheiten.

Der § 17 im Schulunterichtsgesetz besagt, dass LehrerInnen selbst verantwortlich sind für die Unterichtsgestaltung, für die Auswahl der geeigneten Methoden und Unterichtsmittel. Allerdings sind bei der Festlegung der Methoden und Medien bestimmte Kriterien zu berücksichtigen.
  • Berücksichtigung der Entwicklung der SchülerInnen: Dies erfordert häufig eine Individualisierung des Unterichts.
  • Stand der Wissenschaft
  • gemeinsame Bildungswirkung: Dies erfordert fächerübergreifenden oder fächerverbindenden Untericht.
  • anschauliche und gegenwartsbezogene Gestaltung des Unterichts
  • Anleitung zur Selbsttätigkeit und zur Mitarbeit in der Gemeinschaft


All diesen Bestimmungen wird mit dem Einsatz der neuen Lehr- und Lernformen in besonderem Maß entsprochen.
 

Konkrete Aufforderungen in den Lehrplänen

In den Allgemeinen Bestimmungen der Lehrpläne finden sich weitere und noch konkretere Forderungen nach den neuen Lehr- und Lernformen.

Lehrplan der Grundschule:
Punkt 6 der Allgemeinen Bestimmungen: „Lernen und Lehren in der Grundschule“ enthält das Lernen im Spiel, offenes Lernen, projektartiges Lernen, entdeckendes und informierendes Lernen.

Lehrplan der Hauptschule und der Unterstufe der AHS:
Punkt 4 der Allgemeinen Bestimmungen: Förderung durch Differenzierung und Individualisierung
Punkt 6 der Allgemeinen Bestimmungen: Stärken von Selbsttätigkeit und Eigenverantwortung durch projektartige und offene Lernformen.

Darüber hinaus finden sich entsprechende Hinweise in vielen Fachlehrplänen.
Auch in den Grundsatzerlässen zu den Unterichtsprinzipien, die in diesen Lehrplänen genannt sind, werden für die Umsetzung zumeist neue Lehr- und Lernformen, insbesondere der Projektuntericht, gefordert.
 

Viele Freiheiten und wenige Vorschriften!

Methodenfreiheit ist ein Eckpfeiler der östereichischen Lehrplanphilosophie.
Sie ist in den Allgemeinen Bestimmungen des Grundschullehrplanes expressis verbis verankert: „Entscheidungsfreiräume im Lehrplan – Methodenfreiheit und Methodengerechtheit“.
Im Hauptschul- und AHS-Unterstufenlehrplan ist die Methodenfreiheit in der Einleitung zu den didaktischen Grundsätzen festgeschrieben: „Der Lehrplan gibt nur Ziele vor, keine Methoden!“

In jüngerer Zeit wurde die Methodenfreiheit in den Lehrplänen im Zusammenhang mit der Einführung der offenen Lernformen ergänzt durch das Prinzip der Öffnung des Unterichts bzw. der Schule: Punkt 7 im 3. Teil des Hauptschul- und AHS-Unterstufenlehrplans „Schul- und Unterichtsplanung“ und 7. didaktischer Grundsatz „Herstellen von Bezügen zur Lebenswelt“.

Die Umsetzung der Öffnung des Unterichts wurde durch die Erlaubnis zum „dislozierten Untericht“ erleichtert. Untericht muss nicht in der Schule stattfinden, sondern kann jederzeit an einen anderen Ort verlegt werden. Dies muss nur der Schulleitung bekannt gegeben werden. Für diesen Untericht gelten zwar die Regeln des Erlasses zur Aufsichtspflicht, es gelten aber nicht die Bestimmungen der Schulveranstaltungsverordnung. Es gibt daher für den dislozierten Untericht keine zeitliche Begrenzung.
 

Portfolios als angemessene Form der Leistungsfeststellung und -beurteilung

In Hinblick auf neue Lehr- und Lernformen sind beispielsweise SchülerInnenportfolios eine angemessene Form der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung. Ein Portfolio ist eine zweck- und zielgerichtete Auswahl eigener Arbeiten einer Schülerin bzw. eines Schülers. Darin dokumentieren und reflektieren sie ihre individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen.

Portfolios sind ursprünglich als alternative Form der Leistungsbeurteilung entwickelt worden. In der Grundschule können sie in Östereich im Rahmen eines Schulversuchs zur alternativen Leistungsbeurteilung eingesetzt werden. Heute werden sie jedoch häufiger zur Leistungsfeststellung verwendet, die mit Ziffernnoten beurteilt werden. So können sie im Rahmen der Beobachtung der Mitarbeit in allen Gegenständen und allen Schulformen ohne Schulversuch verwendet werden.

Mehr dazu lesen Sie hier:  Beurteilen in der Praxis – Portfolio als Unterrichtsstrategie von Elfriede Schmidinger

Die Leistungsbeurteilung wird dadurch transparenter, Selbstbeurteilungen der SchülerInnen können miteinbezogen werden, detaillierte Rückmeldungen zu allen dokumentierten Leistungen werden eingeholt. Damit wird dem 9. didaktischen Grundsatz „Sicherung des Unterichtsertrags und Rückmeldungen; Leistungsbeurteilung“ im Hauptschul- und AHS-Unterstufenlehrplan optimal entsprochen. Auch die im § 18, Abs. 3 des Schulunterichtsgesetzes geforderte Sachnorm wird damit besser erreicht.
 

Rechtsbestimmungen sind leicht zugänglich

Im „Grundsatzerlass zum Projektuntericht. Tipps zur Umsetzung“ sind alle für die neuen Lehr- und Lernformen relevanten Bestimmungen zusammengestellt:

Bestelladresse:  E-Mail
Download:  bm:ukk
 

Steckbrief

Dr.in Elfriede Schmidinger
1963–1970: Unterichtstätigkeit an einer Volks-, Haupt- und Sonderschule
1970: Doktor phil. (pädagogischen Psychologie und Anthropologie))
1970–1991: Professorin für Humanwissenschaften an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Linz
1991–2004: Landesschulinspektorin für allgemein bildende Pflichtschulen in Oberöstereich
Seit 1970: Referentin in der LehrerInnenfortbildung und in Elternorganisationen
Mitarbeit in vielen Arbeitsgruppen auf internationaler und nationaler Ebene
e.schmidinger@eduhi.at
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-18

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