Praxismaterialien für den schulischen und außerschulischen Einsatz

BNE -- Ist das wirklich etwas Neues?
Ein Vergleich mit reformpädagogischen Ansätzen

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Maria Zeilinger

Die verschiedenen reformpädagogischen Richtungen zeigen schon lange, wie Lernen anders stattfinden kann. Sie trauen dem Kind von Anfang an Selbst-ständigkeit, Lernfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu und legen den Grundstein dafür, dass Gestaltungs-kompetenz entwickelt werden kann.


Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) geht wie die Reformpädagogik von der Eigenverantwortung jedes Menschen aus. Vorangiges Ziel in der BNE ist die Gestaltungskompetenz, die Fähigkeiten wie vorausschauendes und vernetztes Denken, interdisziplinäres Handeln, Partizipation, Kooperationsfähigkeit und problemorientiertes Lernen verlangt.

Das Menschenbild in der Reformpädagogik räumt dem Menschen von Anfang an Selbstständigkeit, Lernfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein ein. Daher fängt Bildung nicht erst in der Schule, sondern schon beim Kleinstkind an. Lernmethoden orientieren sich an den Interessen und am Entwicklungsstand der Kinder. Sie eignen sich dem Alter entsprechend ein Repertoire an Fähigkeiten und Wissen an, das dann immer differenzierter und umfangreicher wird.

Der Umgang mit den Kindern ist anders – von Anfang an

  • Reformpädagogik achtet auf die Individualität und die Persönlichkeit eines jeden Kindes. Mittels Beobachtung, Gesprächen und Situationsanalysen wird eruiert, was junge Menschen bereits selber können und wo sie Impulse und Unterstützung von den Erwachsenen brauchen, um die jeweiligen Anforderungen erfüllen zu können. Eine Pädagogik vom Kind aus achtet auch auf die Vielfalt der Lerntypen und geht davon aus, dass Menschen sich auf unterschiedliche Art weiterbilden und ausdrücken. In der Reggio-Pädagogik spricht man z. B. von hundert Sprachen der Kinder. Die Aufgabe der Erwachsenen hier ist es, alle diese Ausdrucksmöglichkeiten zuzulassen.
    Eine Differenzierung und Individualisierung des Unterichts geht auf die Unterschiede der Kinder ein.
  • Bildung wird nicht auf reines Faktenwissen reduziert. Fürs Leben lernen heißt, dass junge Menschen auch lebenspraktische Kompetenzen erwerben müssen.
    Donata Elschenbroich stellt in dem Buch „Das Weltwissen der Siebenjährigen“ die Frage, welche Bildungsgelegenheiten Kinder für das 21. Jahrhundert brauchen. Und das sind ganz elementare Dinge. Einige Punkte herausgegriffen, sollen exemplarisch aufzeigen wie unkompliziert und lebensnah Lernen eigentlich ist. Elschenbroich schreibt, „ … ein Kind soll einmal in einen Bach gefallen sein, einen Schneemann, eine Sandburg, einen Damm gebaut haben, Windlicht und Windrad erprobt haben und es soll ein Feuer im Freien anzünden und löschen können.“ (Vgl. Elschenbroich 2001, 28 ff)
    Das Lernen im sozialen Umfeld und das Lernen vor Ort nehmen Bezug zum Alltag und berücksichtigen eine ganzheitliche und elementare Bildung.
  • In der Reformpädagogik sind alle Lernende. Es erklärt und lehrt die Person, die in einem Gebiet kompetent ist, und das können einmal Erwachsene und einmal Kinder sein. Gleichberechtigtes Lernen geht davon aus, dass in jedem Menschen ein Potential an ganz speziellen Fähigkeiten steckt. Ziel ist es, dass Kinder ihre eigenen Stärken und Schwächen erkennen und damit umgehen lernen und somit ein positives Selbstkonzept entwickeln. Fehler sind in dem Sinne nichts Negatives, sondern ein Hinweis darauf, einen anderen Weg einzuschlagen und sich zu verbessern. Soziales Lernen, Lernen in Auseinandersetzung mit anderen, Lernen im Dialog sind eine Antwort auf diese Lernart. Transparente und differenzierte Lernzielkontrollen sind die geeigneten Methoden dafür, Fehler selbst zu erkennen und ausbessern zu können.
    Eine ermutigende und zurückhaltende Haltung der Erwachsenen gegenüber dem Kind unterstützt es im selbstständigen Denken.

  • Reformpädagogik berücksichtigt verstärkt die ethische Dimension und legt Wert auf Chancengleichheit, Dialogbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein. Hier sind vor allem die Partnerschaften zu nennen, die mit Schulen aus den Entwicklungsländern gepflegt werden. Für alle reformpädagogischen Richtungen gilt das Prinzip der Integration bzw. der Nichtausgrenzung. Eine integrative Pädagogik geht auf Menschen mit Beeinträchtigung und Menschen anderer Kulturen zu und ist bestrebt, alle Ausdrucksmöglichkeiten der Menschen auszuschöpfen und zu verstehen.
    Fächerübergreifendes Lernen, differenziertes Lernen, Exkursionen und Projektlernen eignen sich dazu, Dinge in größeren Zusammenhängen zu sehen, Verantwortung zu übernehmen und Vielfalt zu leben.

Die neuen Lehr- und Lernformen sind gar nicht so neu

In reformpädagogischen Ansätzen tritt der Frontaluntericht zugunsten von Projektuntericht, Kleingruppenarbeit, Exkursionen und Lernen durch Experimentieren zurück. Dieselben Lernformen sind auch in der Bildung für nachhaltige Entwicklung zentral.

  • Im Projektuntericht können vor allem die Prinzipien wie Partizipation, vernetztes Denken, ganzheitliches Denken und Verantwortungsbewusstsein verwirklicht werden.
  • In der Kleingruppenarbeit wird das Selbstbewusstsein gestärkt und dabei Selbstwirksamkeit erlebt. Ebenso wird die Kommunikationsfähigkeit gefördert.
  • Bei Exkursionen geht es um lebendiges Lernen, das vor Ort geschieht und Menschen im wahrsten Sinn des Wortes berührt werden.
  • Beim Lernen durch Experimentieren werden die Prinzipien der Selbstwirksamkeit, des kritischen und reflektierten Denkens verwirklicht und Selbstständigkeit gefördert.

Kontakt

Dr.in Maria Zeilinger
Zentrum für Kindergartenpädagogik
Schießstattstraße 2
5020 Salzburg
Tel.: 0662/8042 5600
Zukip@salzburg.gv.at

Weitere Informationen als Download

 Folien zum Workshop (pdf, 72 kB)
 Sprüche (pdf, 55 kB)
Zuletzt aktualisiert: 2012-06-18

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